FAGG-Jaarverslag-2021-Interview-ITW illegale praktijken

Der Kampf gegen illegale Praktiken

“Wir haben im Rahmen von Haussuchungen bei Personen, die illegale Mundschutzmasken verhandelt haben, Unterstützung geleistet und diese Personen bis spät in die Nacht vernommen.”

Bart Ceyssens und Hans Van der Meersch leiten die Sonderermittlungsstelle der FAAG. Ein Team von Inspektoren und Kontrolleuren, das sich auf die Bekämpfung illegaler Praktiken mit Arzneimitteln und medizinischen Hilfsmitteln konzentriert. Sie überwachen Sendungen aus dem Ausland und stellen den Zollbehörden und der Staatsanwaltschaft ihr Fachwissen zur Verfügung.

Bart Ceyssens

Wurde die Besondere Ermittlungseinheit der FAAG von Anfang an im Rahmen der Coronakrise eingesetzt?
BC: Ja, das war tatsächlich der Fall. Es wurde auch schnell deutlich, dass wir den Medizinprodukten wie Mundschutzmasken große Aufmerksamkeit widmen würden. Dies wurde in enger Zusammenarbeit mit den Inspektoren der Abteilung medizinische Hilfsmittel verfolgt. Anfangs haben wir den illegalen antiviralen und antiparasitären Arzneimitteln, chinesischen Arzneimitteln und illegalen fiebersenkenden Mitteln (Paracetamol) große Aufmerksamkeit gewidmet, aber das war ehrlich gesagt ein nicht so großes Problem, wie ich gedacht hatte.

H VDM: Anfangs stellten wir fest, dass es sich vor allem um Sendungen aus China handelte, die sowohl Mundschutzmasken als auch Arzneimittel enthielten. Es handelte sich nicht so sehr um große Mengen in diesen Paketen, sondern um Dutzende von Sendungen pro Woche. Höchstwahrscheinlich handelte es sich um Personen asiatischer Herkunft, die diese Paketen von ihren Familien empfingen.

Hans Van Der Meersch

Waren Ihre Aufgaben während der Coronakrise eine Alltagsroutine?
H VDM: Nein, auf keinen Fall. Die Staatsanwaltschaft hat uns oft darum gebeten, im Rahmen von Haussuchungen bei Personen, die illegale Mundschutzmasken verhandelt haben, Unterstützung zu leisten; wir haben diese Personen bis spät in die Nacht vernommen. Die Gesetzgebung für Mundschutzmasken z.B. ist auch sehr komplex, auch für uns war es nicht immer deutlich. Wir befanden uns außerdem in einer Lockdown-Situation und hatten viele Fragen. Bekommen wir Zugang zu den Postdiensten? Können wir dort kontrollieren?

BC: Zu diesem Zeitpunkt hatten wir nur zwei bis drei Mundschutzmasken pro Inspektor zur Verfügung. Es war demzufolge sicher nicht einfach, diese Orte zu betreten und zu kontrollieren. Wir waren, genauso wie alle anderen, nicht auf diese Situation vorbereitet.

H VDM: Es war auch aus organisatorischer Sicht schwierig. Viele Kollegen haben gigantisch viele Überstunden gemacht. In manchen Bereichen änderte sich die Situation so schnell, dass wir nicht immer Schritt halten konnten. Das Team hat sich jedoch immer angestrengt. Ich bin stolz darauf, dass es uns gelungen ist, in kurzer Zeit für die Aktenverwalter eine große Umwandlung durchzuführen. Diese Kollegen sind für die Datenverarbeitung verantwortlich. In kürzester Zeit haben wir ein System eingeführt, so dass sie weiterhin Heimarbeit leisten konnten. Es war jedoch nicht einfach, auf diese Weise zu arbeiten. Das “Weitermachen wie bisher” bestand vor allem darin, dass wir uns nach wie vor mit den “üblichen” Akten beschäftigen mussten. Hinzu kam die Coronakrise.

H VDM: Von März bis Juni 2020 war es sehr stressig wegen der Unvorhersehbarkeit, die Routine war völlig weg. Auch auf persönlicher Ebene war die feste Struktur, die man hat, weg. Zum Glück hatte die gute Kommunikation im Team jedoch einen positiven Einfluss.

BC: Unsere allerersten Online-Veranstaltungen dienten sicherlich auch als Ventil.

H VDM: Als wir uns im Herbst 2020 etwas weniger mit Corona-Akten beschäftigen mussten, stand unser Dienst vor einer neuen Herausforderung, nämlich der Vorbereitung des Umzugs der FAAG vom Eurostation-Gebäude in das Gebäude in der Avenue Galilée.

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Für die Inspektionsdienste bildeten illegale Arzneimittel aus Asien auch schon vor der Coronakrise einen Schwerpunkt (Bild aus 2018).

Handelte es sich bei den von Ihnen kontrollierten Rechtsverletztern um Leute, die nicht besser wissen, oder um wirklich kriminelle Gruppen?
H VDM: Beides. Es gab die Opportunisten mit weniger guten Absichten, aber auch Leute, die einfach nur in Schwierigkeiten waren. Zum Beispiel Menschen aus dem Pflegesektor, die jemanden kannten, der Geschäftskontakte mit China hatte, oder die einfach das Internet durchsuchten und anfingen, Mundschutzmasken einzuführen. Aber natürlich gab es auch die existierenden illegalen Websites, die Ihr Angebot mit Arzneimitteln, die zur Behandlung und Vorbeugung von COVID-19 beitragen sollten, erweiterten, obwohl dies wissenschaftlich noch nicht nachgewiesen wurde.

Anfangs handelte es sich um (Hydroxy)chloroquin, Paracetamol (angeblich wegen eines drohenden Mangels) und Antibiotika. Gegen Ende des Jahres handelte es sich vor allem um Kortikosteroiden, Malariamittel und Ivermectin.

Was müssen wir uns bei den von Ihnen beschlagnahmten Mengen vorstellen?
Zehn Prozent der 2020 von uns beschlagnahmten Arzneimittel, bezogen sich auf COVID-19. Insgesamt handelte es sich um über 6 600 Produkte in mehr als 5 100 Postsendungen.

Was hat sich seit dem Anfang der Coronakrise geändert? Haben Sie eine andere Arbeitsweise?
H VDM: Ja, wir haben unsere Arbeitsweise in Frage gestellt. Was sind unsere Prioritäten im Bereich der Volksgesundheit? Sollten wir illegalen Praktiken unsere Aufmerksamkeit widmen, bei denen ein sehr geringes Gesundheitsrisiko besteht? Mir erscheint es kaum sinnvoll. Wir sollten Illegalen Praktiken im Zusammenhang mit hochriskanten Produkten wie Hormonen, Schlafmitteln, psychotropen Substanzen … eine größere Aufmerksamkeit widmen als die illegale Einfuhr von Paracetamol aus China. Das ist eine Strategie, die wir auch immer mehr in die Praxis umsetzen.

BC: Glücklicherweise verfügen wir über Führungskräfte, die Mut haben, zu sagen, welche Aufgaben für uns möglich sind und welche nicht. Es erfordert oft mehr Mut, nein zu sagen als davon zu träumen, dass alle Aufgaben erledigt werden können. In Zukunft sollten wir der Kommunikation mit Bürgern eine größere Aufmerksamkeit widmen. Wir sollten die Bürger mehr darüber informieren, was erlaubt ist und was nicht, und welche Risiken es gibt. Wir sollten unsere Ergebnisse auch viel mehr an die Öffentlichkeit bringen. Es kommt also jedoch zu einigen Veränderungen, auch bei uns.

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